Höhenangst

Beschreibung einer durchgeführten Behandlung

Vor einigen Wochen hat mich eine Patientin mit Höhenangst aufgesucht. 

Ein quirlige, aktive und dem Leben zugewandte Frau. Die Angst vor Höhe hat sich im Laufe der Zeit immer weiter verstärkt. So weit, dass Fenster putzen im Obergeschoss des Hauses schon ein ziemlich unangenehmes Gefühl hervorrief. Okay, Fenster putzen kann man auch mal sein lassen. Aber dadurch ist die Angst ja nicht weg. 

In ihrer Freizeit hat die Patientin der Höhenangst die Stirn geboten. Sie war weiterhin unterwegs und viele Aktivitäten unternommen. Aber immer war die Höhenangst mit dabei. Den Moment der schönen Aussicht z.B. beim Wandern konnte sie nicht genießen, da sie total gestresst von der Höhe und der Situation war. Daher hat sich bemüht so schnell wie möglich aus der für sie misslichen Lage wieder heraus zu kommen. 

Die Situation war für sie nach Jahren des "sich durch quälens" so nicht mehr tragbar. Sie hatte es schlicht satt in schönen Momenten, gerne auch mit Freunden, immer weg zu wollen. Zurück in die vermeintliche Sicherheit. 

Die Höhenangst sollte nicht die Oberhand behalten, sondern sie selber.

Ein ausführliches Anamnesegespräch  stand am Anfang unserer Zusammenarbeit. Hier konnte ich mir ein Bild machen von ihrer Situation und bereits mögliche Behandlungsansätze andenken.

Nach der Anamnese habe ich der Patientin eine Hypnosebehandlung als Therapiemöglichkeit vorgeschlagen. Ich habe ihr Vorgehensweise genau erklärt, so dass sie voll umfänglich über den Ablauf der Hypnose informiert war.

Sie hat dem zugestimmt und hat ihrerseits noch Fragen zur Klärung gestellt.

Zu Beginn der gemeinsamen Arbeit haben wir ganz genau ihren schönsten Ort besprochen. Den Ort, an dem sie am allerallerliebsten ist. Wir haben den Ort ganz genau beschrieben mit allen Details. Mit Farben, Formen, Gefühlen und Gerüchen. Dieser Ort sollte während der Hypnose der Rückzugsort zum Kraft tanken sein.

Über eine langsame, angenehme Meditation habe ich die Patientin behutsam in die Hypnose geführt. Die Patientin lag sicher und wohlig auf meiner Liege, eingepackt in eine Decke.

In der Hypnose sind wir zuerst an den schönen Ort und haben uns dort umgesehen und Kraft getankt. 

Dann sind wir stufenweise losgegangen. Als erstes sind wir zu einem Kirschenbaum. Die Patientin hat sich gedanklich genähert. Immer nur soweit wie es ging. Dazwischen sind wir zum schönen Ort geswitcht, um dort Kraft zu holen. Und zu gegebener Zeit konnte die Patientin auf dem Kirschenbaum sitzen und sich umschauen, ohne dass die Knie weich wurden. Die Patientin hat mir immer wieder Rückmeldung gegeben, wie weit es geht und was mit ihr passiert. Sie ist ihr eigenes Tempo gegangen.

Dann waren wir gedanklich Fenster putzen im Obergeschoss des Hauses. Auch hier sind wir langsam, stufenweise vorgegangen. Immer wieder sind wir an den schönen Ort und die Patientin hat sich vollgesogen mit Kraft. Irgendwann war Fenster putzen, ohne wackelige Knie möglich.

Dann kam der größte Schritt. Der Gang über eine Hängebrücke. Sie kennen das bestimmt. Nur Holzplanken. Links und rechts durchsichtiges Gitter und unten? NICHTS. Nur Tiefe. Und hunderte Meter weiter, das rettende Ziel. Da können einem schon mal die Knie wackelig werden.

Aber nicht so meiner Patientin. Wir sind immer hin und her. Immer wieder hat sie mir Rückmeldung gegeben, wie weit sie gehen kann. Wir waren immer im Gespräch. Vom schönen Ort zur Brücke und zum schönen Ort. Sie hat sich so viel Kraft geholt, dass sie über die Brücke gehen konnte und sich sogar einmal um ihre eigene Achse drehen konnte.

Als das geschafft war, sind wir zurück an den schönen Ort und sie hat sich für den Alltag noch sämtliche Kraft von ihrem schönen Ort mitgenommen.

Ich habe sie aus der Hypnose geführt und geschaut, dass sie sich wohl fühlt und wieder ganz im Hier und Jetzt ist.

Nach einer kurzen Abschlussbesprechung haben wir uns verabschiedet. 

Ich muss zugeben, ich war super gespannt über die Rückmeldung der Patientin. Darum bat ich sie.

Nach ein paar Wochen hat sie mir gesagt, dass sie nun ohne weiteres Fenster putzen kann und dabei sicher stehen kann. Auch hat sie die Rückmeldung ihrer Ostheopatin bekommen, dass ihre Körperhaltung sich zum Positiven verändert hat. 

Der große Test der Höhenangst stand noch aus. Eine Wanderung in den Baumwipfeln. Aber sie war guter Dinge, dass sie den Moment genießen kann und ihre Freude daran hat. Gemeinsam haben wir noch ein paar "Notfallanker" besprochen. Ich habe ihr noch mögliche Klopfpunkte gegen Angst gezeigt. Auch haben wir besprochen mit wem sie im Vorfeld von den Wanderungspartnern sprechen kann, wenn im Fall der Fälle unter Umständen die Angst aufkeimt und was dann zu tun ist.

Zum Einsatz sollten die Notfallanker nicht kommen, eben nur als Netz und doppelter Boden.

Diese letzte Rückmeldung steht noch aus... 

Hypnose ist eine wunderbare Art der Entspannung und der Therapiearbeit. Mit ihr können Ängste, Schmerzen und vieles mehr in einem sehr geschützten Rahmen betrachtet werden. 

Bei dieser Art von Hypnose stehen Patient und Therapeut im ständigen Austausch. Der Patient bestimmt sein Tempo und seinen Weg und ist immer in der Lage sich zu äußern.