Wut als Chance

Was dir deine Wut wirklich sagen will.

Wut als Chance

Wut

Ich sehe rot.

Ich könnte vor Wut an die Decke gehen.

Ich habe soooo einen Hals.

Ich könnte heulen vor Wut.

Ich platze vor Wut. 

Ich kenne Wut. Ich bin vom Sternzeichen Stier. Es dauert sehr lange bis ich wütend werde. 

Wenn es dann aber soweit ist, dann …. Ja, dann.

Vielleicht kennst Du das: Jede Faser in deinem Körper ist hellwach, eine übermächtige Energie überflutet dich. Du tobst und schreist bis du heiser bist und dein Gegenüber möchtest du in dem Moment nicht sein. 

  • Du bist dieser Energie ausgeliefert. 
  • Du bist im Tunnel. 
  • Du bist ohnmächtig. 
  • Es gibt kein Halten mehr.

Wenn die Flut vorüber ist und dein Kopf wieder klar denken kann, beginnt die Aufräumarbeit. Bei dir und deinem Gegenüber. Du nimmst den verbalen Besen in die Hand und fegst die verursachten Scherben zusammen oder du versuchst die Bruchstücke wieder zusammen zu setzen.

Das gelingt dir mal ganz gut und mal weniger gut. Was gesagt ist, ist gesagt. Und du weißt in diesem Moment nach der Flut nicht, welche Schäden zurückbleiben.

Wie sieht es bei deinem Gegenüber aus. Oder vielleicht warst du auch schon einmal Leidtragende*r eines Wutausbruches.

Stell es dir bildlich vor und möglicherweise fällt dir eine Wut-Flut aus der Vergangenheit ein:

Dein Gegenüber sitzt geknickt und verletzt vor dir. Vielleicht fließen Tränen. Du bekommst auf deine Entschuldigung hin keine Antwort, da gegenüber viel zu Bruch ging. Der Selbstwert und das Selbstvertrauen können zerkratzt sein. Unter Umständen hast du eine Idee, eine mutige Handlung oder einen Versuch neue Wege zu gehen im Schlamm deiner Worte versenkt.

Und wie schaut es bei dir aus nach dem Wutausbruch? 

Wut ist so mächtig, kraftvoll und aufreibend. 
Du fühlst dich erschöpft. Körperlich, emotional, mental und energetisch. 
Ausgewrungen wie ein nasser Lappen. 
Du ahnst langsam was hier passiert ist. 

Scheue Blicke treffen dein Gegenüber, tasten sich langsam über dessen Gesicht und versuchen darin zu lesen. Du ahnst was dein Wutausbruch alles zerbrochen haben könnte. Du bist sprachlos ob deiner Reaktion oder du versuchst eilig entschuldigende Sätze zu formulieren. Du weißt aber nicht, welche Kratzer und Narben übrig bleiben. 

Auch bei dir nicht. Nicht in diesem Moment. 
Du fühlst dich schuldig, einsam oder machst dir selbst Vorwürfe. 

  • Wie konnte es nur soweit kommen? 
  • Warum habe ich mich so gehen lassen? 
  • Warum habe ich nicht meinen Mund gehalten? 
  • Warum hat er*sie nicht seinen*ihren Mund gehalten? 
  • Wenn er*sie immer so agiert, kann ich gar nicht anders reagieren.


Was wäre gewesen, wenn du deinen Mund gehalten hättest und die Situation geschluckt und weggedrückt hättest?

Dich hätte die Situation innerlich immense Kraft gekostet. Du hättest das übermäßige Wutgefühl im Zaum halten müssen. Dein Blutdruck wäre nach oben geschossen, dein Puls wäre gerast. Dein Gefühl im Bauch wäre rappelig und zappelig und dich hätte es fast zerrissen. Aber du hast geschwiegen.

Einmal oder auch zweimal lässt sich unterdrückte Wut wahrscheinlich gut wegstecken. Es gebietet (oder auch nicht) auch unsere anerzogene Höflichkeit in gewissen Situationen den Mund zu halten. Oder frei nach Immanuel Kant „was du nicht willst was man dir tu, das füg auch keinem andern zu“.

Nur, was passiert mit diesen Unterdrückungen? 

Das lässt sich aus dem Wortstamm schon gut herauslesen. Es entsteht Druck und dieser Druck richtet sich nach Innen. Wir verschieben diese mächtige Emotion der Wut in unseren Körper und in unsere Seele. 

Wie gesagt, wenn das ab und zu mal geschieht, dann ist die Kompensation für unseren Körper und unsere Seele gut machbar. Vor allem dann, wenn es nach diesen Extremsituationen auch wieder Entspannungszeiten gibt. Wenn es aber nun diese Entspannungszeiten nicht gibt, was dann? 

In unserem bestimmten Fall der Wut, wie ist es da? Stell es dir nochmals bildlich vor:

Du bist wütend und du kannst die Wut, aus welchen Gründen auch immer, nicht rauslassen. Und auch beim nächsten Mal nicht und das Mal darauf auch nicht. In dir bleibt all die Kraft dieses Gefühl stecken. Du drückst es weg. 

Wenn unser Körper und unsere Seele nicht mehr in der Lage sind zu kompensieren, dann kreieren wir Symptome. Es stellt sich Frust ein, bis hin zur Verbitterung. Bestimmt kennst du Menschen in deinem Umkreis, die richtig verbittert wurden über die Jahre hinweg. Wenn du kannst, dann schau mal genauer hin, ob da nicht gelebte Wut ein Thema ist. 

Es können sich daraus auch Ängste erschaffen, so dass bestimmte Situationen gemieden werden. 

Manche Menschen neigen dazu ihre Wut, ihren Frust mit Essen zu betäuben. 
Oder sie suchen sich andere Kanäle um sich Luft zu verschaffen. So dass sie sich irgendwie noch ertragen können. 
Der Griff zur Flasche oder der Eintritt in die Online-Welt sind solche Auswege. 
Dass es keine echten Auswege sind, muss ich nicht ausführen, es ist eher der Eintritt in eine Spirale nach unten. 
Bestenfalls ist Frustshoppen angesagt, wobei auch das nur kurz positiv wirkt und auch die Gefahr der Abhängigkeit in sich trägt.

Der Körper kann mit Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen auf ständig unterdrückte Wut reagieren.

Wie sonst soll unser System sich bemerkbar machen, wenn nicht über Symptome? 
Und es sind "nur" Symptome und nicht die Ursache. Sehr häufig nehme ich wahr, dass Menschen dann zur Schmerztablette greifen oder sich Spritzen geben lassen, um die Schmerzen zu lindern. Das heißt, sie unterdrücken nochmals, noch tiefer in den Körper hinein. Die Ursache bleibt davon unberührt.

Es kann sein, dass wir die Ursache nicht sehen wollen oder nicht sehen können. Den Blick auf die Ursache zu lenken erscheint auf den ersten Blick oft unangenehm. Man stößt unter Umständen auf sein Selbst, das in manchen Bereichen sich noch entwickeln darf.

Welche Möglichkeiten gibt es also, wenn nun der Wut freien Lauf lassen nichts ist und die Wut immer schön zu schlucken auch kein guter Weg ist?

Dann lass uns den Blickwinkel etwas verändern. 
Ich darf dich einladen, den Blick auf dich zu legen. 
Weg von „ich bin wütend auf …“ oder „der/die macht mich stinksauer….“

Stelle dir mal eine oder mehrere Situationen vor in denen du wütend wirst. 

  • Was passiert da mit dir und in dir? 
  • Du kommst mit einer Situation in Kontakt, die etwas in dir auslöst. 

Schau mal noch ein Stück näher hin, kann es sein, dass es nicht die Person oder die Situation ist, die dich schäumen lässt? 
Es ist ein Bedürfnis von dir, das sich meldet, weil es in genau diesem Moment nicht erfüllt, nicht beachtet, übersehen oder schlicht weg ignoriert wird. 
Die Situation in der du dich befindest ist der Spiegel dafür. Dieser Spiegel zeigt dir deine nicht oder wenig erfüllten Bedürfnisse. 

Das klingt für dich abstrakt? 
Dann darf ich es gerne für dich fühlbarer machen. Ich nehme ein einfaches Alltagsbeispiel: Stell dir vor: du bekommst um die Mittagszeit einen Anruf, dass am Nachmittag Verwandtschaft ganz spontan zum Kaffee kommt.

  • Was passiert mit dir? Wenn du dich darauf freust, dann ist alles prima. Wenn aber dein Bauch anfängt zu kribbeln, dann schau hin.
  • Wird vielleicht dein Bedürfnis nach Ruhe (dieser Nachmittag ist der einzige freie Nachmittag seit langem) missachtet?
  • Wird vielleicht dein Bedürfnis nach Entspannung gestört, da du dir eine Meditations-Session vorgenommen hattest?
  • Wird vielleicht dein Bedürfnis nach Gerechtigkeit verletzt, da du immer diejenige bist, die den Aufwand hat?
  • Wird vielleicht dein Bedürfnis nach Kommunikation missachtet, sich kurzfristig einzuladen ist dir zuwider?
  • Wird vielleicht dein Bedürfnis nach Wertschätzung ignoriert? Einfach über deine Zeit verfügen, findest du zum Abgewöhnen?

Atme kurz durch. Ich glaube du siehst es schon. Die Wut zeigt dir sehr deutlich, wo deine Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Es ist nicht die Person oder die Situation, die dich so wütend macht. Es sind deine Bedürfnisse, die sich melden und sich zeigen.

Das ist ein echtes Geschenk. Durch die Wut kommst du immer wieder mit deinen Bedürfnissen in Kontakt. 
Immer wieder und unermüdlich.


Bevor dich die Wut so richtig im Griff hat, kannst du folgendes versuchen:

  • Die Wut hat dich fast fest im Griff, dann versuche aus der Situation raus zu gehen und 10 Mal zu atmen. Das kann dir helfen, nicht unüberlegt zu handeln.
  • Du kannst einen Wutbrief schreiben. In diesen Wutbrief schreibst du schonungslos alles rein, was dich bewegt. Keine Tabus, keine gute Erziehung. Diesen Brief verbrennst du dann sofort. Das hat meine Tochter eine zeitlang intensiv gemacht. Wenn die Wut kam, ist sie davon gesprungen und hat geschrieben und dann den Brief im Ofen verbrannt. Danach war es ihr so viel leichter.


Falls dich doch die Wut gepackt hat, dann darf ich dich einladen im Nachgang nochmals auf die Wut zu schauen:

  • Nimm dir etwas Zeit für dich, setze dich entspannt hin und atme einfach.
  • Gehe gedanklich an deinen absoluten Lieblingsort. Dahin, wo du dich wohl, geborgen, ruhig und entspannt fühlst.
  • Mache es dir dort bequem. Vielleicht setzt du dich auf eine Bank oder ins Gras oder ans Meer.
  • Dann lade die Wut ein, sich zu dir zu setzen.
  • Bedanke dich, dass sie da war und ist, dass sie sich gezeigt hat.
  • Frage sie, welches nicht erfüllte Bedürfnis sie dir zeigen wollte.
  • Warte und höre, was sie dir sagt.
  • Sprecht miteinander. Frage sie oder lausche in dich hinein, was du benötigst, um das Bedürfnis zu füllen
  • Bedanke dich bei der Wut und verabschiede sie, wenn du fühlst, dass du dich gut fühlst.
  • Atme nochmals tief ein und aus und komme zurück in den Alltag.

Diese Übung kannst du immer wieder machen und schauen welche Bedürfnisse gefüllt werden möchten. 
Wenn du magst schreibe dir deine Gedanken auf und notiere dir was du im Alltag verändern kannst, um das verletzte Bedürfnis zu füllen. 

Wenn du dich dabei unsicher fühlst und diesen Weg nicht alleine gehen möchtest, dann nimm Kontakt zu mir auf.

Bei einem ganz unverbindlichen kostenfreien Erstgespräch, sprechen wir über deine möglichen Wege.

Meine Arbeit findet auf mentaler, körperlicher, emotionaler und energetischer Ebene statt. Das ermöglicht es dir aus vielen unterschiedlichen Ressourcen zu wählen und deinen Weg hin zu deiner Balance zu gehen.