Vom Loslassen und Neufinden

Das Leben in Zyklen.

Loslassen
Mirjam

Über das Thema „Loslassen und Neufinden“ schreibe ich quasi aus aktuellem Anlass. Ich stecke mittendrin.

Ich hole ein bisschen aus, damit Du weißt was mich bei diesem Thema so beschäftigt. Meine Familie und ich sind in den Sommerferien zu einer dreiwöchigen Reise aufgebrochen. Zum ersten Mal sind wir volle drei Wochen weg und haben den Alltag losgelassen. Ich habe mich riesig auf die freie Zeit und den Tapetenwechsel gefreut. In fremde Länder eintauchen und staunen. 

Meine Alltags- und Praxisgedanken wollte ich zuhause lassen und ihnen und mir eine wohlverdiente Pause gönnen. Ich fand meinen Plan richtig gut. 

Mit im Gepäck hatte ich das Buch „Die sichtbare Erfolgsfrau: Das 7-Zyklus-Prinzip weiblicher Selbstständigkeit“ von Sabine Krink alias Super Sabine. Ich habe noch gezögert das Buch einzupacken. Ich wollte meinen Krimi verschlingen und mal kein Fachbuch in die Hand nehmen und die Inhalte  bewegen.

Wahrscheinlich habe ich geahnt, dass das Buch mein Tun gehörig auf den Kopf stellen wird. Dabei habe ich mich so nach Ruhe und Müßiggang gesehnt.

Und trotzdem habe ich das Buch eingepackt und bereits im Flieger angefangen darin zu lesen. Abschnitt für Abschnitt. Dazwischen musste ich Pausen einlegen, da diese Abschnitte mich jedes Mal mitten ins Herz getroffen haben. Meine Gefühlswelt rund um meine Praxisarbeit glich einer Achterbahn. Ich wurde hin und her geschüttelt, rauf und runter. Was genau ist mein Fokus? Wofür brennt mein Herz? Was mache ich vielleicht doch nicht so gern, aber streichelt mein Ego so schön? Ich wollte doch immer Trauerarbeit machen und jetzt mache ich einen Bogen drum herum? Mit welchen Menschen arbeite ich so richtig gerne zusammen?

All diese Gedanken und noch viele mehr bewegten mein Herz. Wie gesagt, ich wollte meinen Gedanken eine Pause gönnen, damit wir nach der Pause wieder gemeinsam starten würden. Ein paar Tage habe ich noch versucht meine Gedanken neben mich auf die Sonnenliege zu legen und ihnen die Entspannung zu zeigen, die ich so dringend suchte.

Du kannst es Dir denken, es hat nicht geklappt. Dann habe ich mir bewusst Zeiten am Tag oder Abend gegeben, in denen ich mich meinen Gedanken gewidmet habe. Mit dieser Entscheidung wurde es leichter für mich. Sie und ich hatten ihren Raum und ihre Zeit aktiv zu sein oder eben zu ruhen.

Mir hat es dann auch richtig Spaß gemacht meine Gedanken Karussell fahren zu lassen. Ich hatte ja Zeit und die exotische Umgebung tat ihr Übriges dazu.

Bis ich auf Seite 120 angekommen war, war alles irgendwie mit vielen Aha-Momenten gespickt. Ich habe gelernt wie Frauen in ihrer Entwicklung voranschreiten. Dass wir uns nicht linear wie Männer entwickeln, sondern in Zyklen. Und wenn wir vermeintlich meinen, wir stehen an einer Stelle schon wieder still, dann stimmt das meist nicht, denn häufig sind wir durch den Zyklus durch und stehen eben wieder auf Stufe 4, nur dass unser Erfahrungsschatz und unser Wissen jetzt ein viel Größeres ist. 

Wenn Du mehr wissen möchtest, dann kaufe Dir gerne das Buch von Sabine. Ja, da mache ich ganz offen Werbung für.

Loslassen

Soweit so gut, ich habe viel verstanden und integriert. Bis ich eben auf Seite 120 angekommen war. Am Ende der Seite hat es mich klassisch aus der Kurve geworfen. Da stand: „Die Wachstums-Dehnung in einen komplett neuen Zustand, nämlich zu deiner wahren Größe, ist bisweilen äußerst unangenehm. Die Herausforderung ist jetzt, loszulassen. Und zwar alles. (…) Die Fähigkeit, in die vollkommene Zerstörung dessen, was ist, für einen heiligen Grund – für dein Herzenswarum – einzuwilligen? Diese Bereitschaft ist jetzt gefragt!“.

Dann habe ich das Buch für ein paar Tage weggelegt. Mich hat es schlagartig in meine Einzelteile zerlegt. Loslassen. Alles. Vollkommene Zerstörung. Herzenswarum.

Ich habe versucht mich dagegen zu wehren. Alles was ich mir bislang aufgebaut habe zu zerstören? Bedingungslos? Und vollkommen? Das Wehren hat nichts genutzt, die Einzelteile lagen bereits vor mir. Als hätte meine Seele auf diesen Moment gewartet.

Da saß ich nun in einem fernen Land mit einem Haufen an Business-Scherben.

  • Was genau ist mein Fokus?
  • Wofür brennt mein Herz?
  • Was mache ich vielleicht doch nicht so gern, aber streichelt mein Ego so schön?
  • Ich wollte doch immer Trauerarbeit machen und jetzt mache ich einen Bogen darum herum? Mit welchen Menschen arbeite ich so richtig gerne zusammen?

Da waren sie wieder, die Fragen, die nicht locker ließen. Die Scherben wollte ich nicht wieder zum Alten zusammenkleben. Das wäre nie mehr heil und ganz geworden. Ich habe mich dafür entschieden das Alte loszulassen. Loslassen was bisher war. Bedingungslos. Ego hin oder her. Bisherige Zeit und Arbeit hin oder her. Mein Herz ist aufgebrochen wie eine stachelige Kastanie und die glatte, wunderschöne Frucht hat sich gezeigt. Mit dieser Entscheidung fiel es mir dann leicht meine Fragen für mich zu beantworten.

Wegbegleitung

Was genau ist mein Fokus?

Ich möchte Trauerarbeit machen. Trauerarbeit auf verschiedenen Ebenen. Sehr gerne, wenn ein Mensch einen Verlust zu verarbeiten hat. Egal ob Mensch, Tier, Arbeit, Trennung, Freund*in.

Und ich möchte Trauerarbeit für Menschen machen, die ganz oft eine unterschwellige Trauer in sich spüren. Vergleichbar mit dem Schnuffeltuch von Linus von den Peanuts. Trauer, die man so hinter sich herzieht. Man kann den Grund nicht fassen, ein Auslöser fehlt, aber das Gefühl der Trauer und des Traurig-Seins ist einfach da. Ja, das ist mir wichtig! Das kenne ich doch so gut. Und wie oft habe ich gedacht, ist das wirklich meine eigene Trauer? 

Ich glaube, dass viele Frauen diese Art von Trauer kennen. So wurde es mir auch zurück gespielt. Ich habe Frauen gefragt und war sehr unsicher, ob meine Frage überhaupt verstanden wird. Oh ja, sie wurde verstanden. Vielmehr wurde sie gefühlt. Ich habe wunderbare Rückmeldungen bekommen, dass diese Art von Arbeit sehr wertvoll wäre. Und JA, das möchte ich von Herzen gerne tun.

Und auch das Thema Ängste soll nicht zu kurz kommen. Wenn ich mich mit einem Thema auskenne, dann mit Ängsten aller Art. Meine Erfahrungen gepaart mit meinen Methoden und meiner Intuition möchte ich so gerne weitergeben.

Dann galoppierten meine Gedanken. Ich möchte zum Thema Trauer einen Online-Shop einrichten mit liebevollen Unterstützungen rund um die Trauer. Ein Trauertagebuch, eine Handala aus Mutmach-Steinen, ein Trauerglas um Geschriebenes zu verbrennen, ein genähtes Wesen, das für Ritualarbeit wichtig wird.

Meine Gedanken machten mich schwindelig. Kurz vor Ende es Urlaubs habe ich mir eine Pinnwand bestellt, damit ich all meine Gedanken sortieren kann. Einen Tag nach der Rückkehr wurde sie geliefert. Ich habe die größte Pinnwand bestellt, die ich kriegen konnte. Jetzt ist sie gefüllt und ich bin wesentlich sortierter und die Umsetzungsphase kann beginnen.

 

Wofür brennt mein Herz?

Für Menschen, die in einer für sie schwierigen Phase in ihrem Leben stecken und da aber nicht stecken bleiben wollen. Bislang war mir immer das Wort „Umbruch“ sehr nahe. Das hat sich in das Wort „Aufbruch“ gewandelt.

 

Mit welchen Menschen arbeite ich so richtig gerne zusammen?

Ich möchte mit Menschen arbeiten, die auf ihrem Weg im Aufbruch sind. Menschen, die für sich spüren, dass es für sie Zeit ist, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Es gibt Trauer und Ängste in ihrem Leben und sie möchten diese aufbrechen und ihre Entwicklung in die Hand nehmen.


Was mache ich vielleicht doch nicht so gern, aber streichelt mein Ego so schön?

Die Krisenintervention und der Gedanke an die Psychoonkologie lasse ich sein. Das ist jetzt nicht dran, vielleicht später, vielleicht nie. Loslassen ist nicht immer ganz einfach, aber unglaublich befreiend. 

 

Ich wollte doch immer Trauerarbeit machen und jetzt mache ich einen Bogen darum herum?

Dieses Thema hat mich noch länger beschäftigt. Und ich glaube, dass mir diese unterschwellige Trauer als Herzensgrund gefehlt hat. Sie war mir lange Zeit so präsent und jetzt so wichtig, sie als Gefühl zu zeigen. Ich habe das Gefühl, dass diese Art von Trauerarbeit sehr wichtig ist.

 

Lass los und weite dich in das Unbekannte hinein“ steht in Sabines Buch auf Seite 121. Weißt Du was, das mache ich jetzt. Ich setze gerade die Scherben zu etwas ganz Neuem zusammen. Wie das Neue am Ende aussieht, kann ich dir im Moment noch nicht sagen. Vielleicht lasse ich es irgendwann wieder los und Neues entsteht. Davor habe ich nun keine Angst mehr. Ich bin auch nicht traurig, dass sich in der nächsten Zeit einiges ändert und manches in das ich Zeit investiert habe, wird gekippt. Wenn ich all diese Dinge nicht getan hätte, dann wäre ich jetzt nicht in der Lage loszulassen und mit meinen Erfahrungen Neues zu schaffen.

Ich darf Dir Mut machen, ohne das Ziel zu kennen, Loslassen ist gar nicht so schwer. Vertraue Deiner Intuition. 

Und wenn Du dabei noch etwas Unterstützung brauchst, dann ruf mich doch einfach an.